Die Esperienza Digital
oder auch
DeLonghi EAM 3400
Quelle, das weiß man ja nun, verkauft keine
Schrott. Auch wenn Quelle, respektive Privileg draufsteht, ist meist Markenware drin. Aus
diesem Grund haben wir uns bei der Neuanschaffung einer Espressomaschine diesmal für eine
von Quelle entschieden.
Und was für ein Wunder: Schon wenige Tage nach dem Kauf stelle ich fest, die Maschine
kommt von DeLonghi aus der Serie Magnifica und trägt die Bezeichnung EAM3400. Nur als
DeLonghi kostet sie 200,00 Euro mehr....

Kaufentscheidend war nicht nur der Preis. In der Beschreibung der Esperienza stand, dass sie über ein sogenanntes "Direktbrühsystem" verfügt. Das heißt, der gerade frisch gemahlene Kaffee wird direkt für den Brühvorgang verwendet.
Bei der DeLonghi ist es so gewesen, dass rund 10 Gramm Pulver im Mahlschacht verbleiben und somit immer nachgeschoben wird. Also das frisch gemahlene Pulver schiebt der "Vorrat" zur Brüheinheit vor. Man hat also immer einen Frischeverlust.
Bei der Esperienza fällt genau der Kaffee, der gerade gemahlen wird direkt ins Sieb. Praktisch kein Frischeverlust. Dieses Verfahren findet auch mehr und mehr Anwendung bei den wesentlich teureren Maschinen von Saeco und Co.
Natürlich verfügt die Esperienza auch über einen Einfüllschacht für eine zweite, bereits gemahlene Kaffeesorte.
15bar Pumpendruck, automatischer Kaffeeauswurf
und Spül-, Entkalkungs- und Reinigungsprogramm sind ebenfalls vorhanden. Wobei das
Reinigungsprogramm laut Anleitung nur für den Service ist und vom Endanwender nicht
verwendet werden soll! Wieso das so ist, steht allerdings nicht da.
Besonderheit der Esperienza ist das digitale Display.
Hier "spricht" die Maschine Klartext. Durch einfache und verständliche Anzeigen "sagt" einem die Esperienza, was Sache ist.
Im Ruhezustand zeigt sie die aktuelle Uhrzeit (nach dem diese einmalig eingestellt ist). Beim Einschalten blinken keine Lampen, sondern sie macht durch den Spruch "Auswärmphase - Bitte warten" aufmerksam. Wenn sie einen kurzen Spüldurchlauf hinter sich hat und die Temperatur erreicht ist, ziegt sie "Betriebsbereit" an und es kann losgehen.
Das Aroma (es gibt fünf wählbare Aromastärken) auswählen, Tassenfüllmenge (die zudem programmierbar ist) über eine der drei Tasten wählen und schon fließt der Espresso. Einfacher geht es wirklich nicht.
Es fällt sofort die Lautstärke der Maschine auf. Gegenüber der DeLonghi ist die Esperienza im Vorbereiten und Brühvorgang wesentlich leiser. Entweder ist sie besser gedämmt, oder der verwendete Motor eine Leisetreter. Lediglich das Mahlwerk kommt lautstärkemäßig an die EC2000 heran. Das liegt aber in der Natur der Sache, Kaffeemahlen ist nun mal keine Flüsterangelegenheit.
Auch beim Pumpengeräusch haben wir subjektiv den Eindruck, sie arbeitet leiser. Das wird die Nachbarn freuen.
Der erste Espresso schmeckt gut, auch wenn wir das Gefühl haben, bei der EC2000 war die Creme irgendwie dunkler und der Espresso in Summe etwas stärker. Mag vielleicht auch am Direktbrühen liegen, weil hier das Kaffeemehl ja frisch ist. Kann aber auch an der Kaffeemenge liegen. Zwar steht in den Anleitungen der jeweiligen Maschinen, das zwischen 6 bis 11 Gramm Pulver verwendet wird, aber kontrollieren kann man das natürlich weniger. Da wir aber für beide Maschinen den gleichen Kaffee verwendet haben, fällt ein Geschmacksunterschied dementsprechend auf.

Zu der guten Bedienbarkeit, bei der Esperienza komplett von vorne, kommt eine leichte Reinigung und gut zugängliche Brüheinheit.
Hinter der leicht zu öffnenden Serviceklappe verbergen sich der Kaffeesatzbehälter und die kleine Brüheinheit. Lediglich die zwei roten Knöpfe müssen in Pfeilrichtung zusammen gedrückt werden und man kann die Einheit leicht herausnehmen.
Es empfiehlt sich allerdings die Maschine vorher auszuschalten. Dann fährt die Brüheinheit in ihre Ruhestellung und läßt sich auch entnehmen. Auf dem Bild links ist die Maschine an und die Brüheinheit ist ausgefahren.
Links neben der Brüheinheit sieht man den schwarzen Kaffeesatzbehälter. Er fasst ca. 14 Einzelportionen Espresso bzw. 7 Doppelportionen.
Die Abtropfschale reicht weit in die Maschine hinein und überall gibt es kleine Rinnen, die abfließendes Wasser in die Schale leiten. Alle Flächen rund um die Brüheinheit sind relativ glattflächig und damit leicht mit einem Lappen zu reinigen. Bisher hatten wir aber keinen Grund, das Innere der Esperienza zu säubern.
![]() |
Nach dem Entfernen der Brüheinheit kann diese unter laufendem Wasser ausgespült werden. Das Ganze ist relativ kompakt und stabil und man hat nicht das Gefühl irgend etwas kaputt zu machen. |
![]() |
Oben auf der Brüheinheit kann man auch sehr gut das Sieb erkennen und dieses im dem Fall, das es verstopft sein sollte relativ gut reinigen. Das "Gegensieb" befindet sich fest installiert in der Maschine und kann hier dann ebenfalls recht leicht erreicht werden. |
Sollte man beim Einbauen der Brüheinheit oder das Kaffeesatzbehälters irgend etwas falsch machen, schließt entweder die Servicetür nicht oder man wird in Klarschrift im Display darauf hingewiesen. Anweisungen wie "Klappe schließen" und "Brühgruppe einsetzen" sind eindeutig.
Natürlich weist die Esperienza auch klar daraufhin, dass der Kaffeesatzbehälter zu entleeren ist, die Entkalkung ansteht oder schlicht und einfach der Wassertank leer ist. Bei letzterem macht sie zumindest noch die gerade laufende Tassenfüllung fertig und verweigert dann bis zum Auffüllen weitere Dienste.
Gegenüber der DeLonghi verfügt hier der Wassertank über einen Magnetschwimmer, der rechtzeitg Signal gibt, dass sich das Wasser dem Ende neigt. Die DeLonghi war da nicht so genau. Hier trat erst dann die Hinweislampe in Aktion, wenn man den Wassermangel bereits durch die lauten Leerlaufgeräusche der Pumpe entdeckt hatte. Das empfand ich immer als einen kleinen Makel. Der Wasserbehälter der Esperienza wird einfach vorne heraus gezogen und ist schnell mit 1,7 Litern gefüllt.
Die Kaffeebohnen füllt man von oben in die Maschine ein. Ca. 180 Gramm reichen für einige Tassen. Hier ist der Kaffee anders als bei der EC2000 auch abgedeckt , also nicht sichtbar untergebracht. Soll ja auch besser sein. In der Mitte ist unter einer Klappe der Einfüllschacht für vorgemahlenen Kaffee und hier verbirgt sich auch der Portionierlöffel in einer extra Mulde. An alles ist gedacht.
Besonders
hervorzuheben ist noch die dauernde Dampfbereitschaft der Maschine. Durch einen zweiten
Boiler kann ohne Wartezeit jederzeit heißes Wasser bzw. Dampf entnommen werden und die
Maschine muss nicht entlüftet oder anders vorbereitet werden. Das verkürzt die Wartezeit
für einen Cappuchino erheblich und geht echt flott von der Hand.
Auch die Vorwärmung der Tassen klappt hier absolut gut und spürbar. Die Esperienza verfügt über einen aktiven Tassenwärmer. Die Tassenablage wird also aktiv geheizt und nicht durch die Abwärme der Maschine erwärmt. Man kann sich an ihr sogar die Finger verbrühen.
Apropos verbrühen. Bei der Esperienza kann die Wassertemperatur zwischen niedrig, mittel und hoch programmiert werden. Hier schlägt sie die DeLonghi eindeutig, denn dort hatten wir immer den Eindruck, der Espresso könnte wärmer sein. Der Härtegrad ist natürlich auch programmierbar.
Ein weiterer großer Vorteil ist auch, dass auch die Kaffeepötte unter den höhenverstellbaren Auslauf passen. Das war bei der EC2000 leider nicht der Fall und wir waren in der Tassenwahl sehr eingeschränkt. Zudem geht die programmierbare Füllmenge weit über 200ml und man bekommt auch einen Pott voll.
Neben den vielen Einstellungen, die einmalig programmiert werden, verfügt die Maschine auch über eine automatische Einschaltfunktion. Einmal die Uhrzeit programmiert und die Esperienza schaltet sich von alleine ein und wartet auf die Abgabe eines schönen Espresso. Dabei "vergißt" die Maschine nicht einfach die Einschaltzeit, sondern schaltet sich täglich wie ein guter Wecker zu der eingegebenen Uhrzeit immer wieder hübsch ein. Natürlich kann diese Fuktion auch deaktiviert werden.
Wer sich automatisch einschaltet, der schaltet sich bestimmt auch automatisch aus. Stimmt, das macht sie auch und zwar nach einer programierbaren Zeit. Man hat die Wahl zwischen 1h, 2h, 3h oder 4h Inaktivität. Sie spült dann genau wie bei einer manuellen Ausschaltung einmal kurz durch und fährt die Brüheinheit in den Ruhezustand.
Zu guter Letzt kann man alle Einstellungen mit einem Tastendruck auch wieder auf die Werkseinstellungen zurücksetzen. Soll ja schon mal vorgekommen sein, dass man sich total durcheinander programmiert hat.
Bleibt noch zu sagen, dass zum Lieferumfang der Maschine Entkalkungslösung, ein Portionslöffel und zwei edel aussehende Espressotassen im Edelstahllook gehören. Die Bedienungsanleitung ist quelletypisch ausreichend umfangreich und gut beschrieben. Natürlich in deutsch. Andere Sprachen sind nicht vorhanden, machen die Anleitung aber auch nur unnötig dick.
Lieferbare Farbe gegenüber der DeLonghi, die es in schwarz oder silber gab, ist hier nur silber. Passt aber recht gut in unsere Küche. Bei der Aufstellung sollte man mindestens 15cm Platz über der Maschine einplanen. Nicht nur damit man auch die Tassenablage nutzen kann, sondern weil eben die Bohnen und das Kaffeepulver von oben eingefüllt werden.
In Summe sind wir mit der Esperienza Digital sehr zufrieden und halten den Preis von 699 Euro (bei Quelle) für gerechtfertigt. Vor allem weil vergleichbare Maschinen von anderen Herstellern (z.B. von DeLonghi selber) wesentlich teurer sind.
[Die erste Reparatur] [Zur Übersicht]
[ Home ]